Mittwoch, 23. November 2016

Interview mit T. S. Orgel

Interview mit T. S. Orgel

Hallo Ihr Lieben,

heute habe ich ein Interview für Euch, und zwar mit Tom und Stefan Orgel, den Autoren der Bücher "Die Blausteinkriege 1. Das Erbe von Berun". "Die Blausteinkriege 1"  habe ich Euch bereits hier vorgestellt und wie mir "Die Blausteinkriege 2" gefallen hat, erfahrt Ihr 

1.     Wie kamen Sie zum Schreiben?
Tom: Nichts Besonderes. Wir haben Geschichten im Kopf gehabt, die wir aufschreiben wollten. Und da wir schon immer viel gelesen haben, war immer mal ein Buch dabei, bei dem wir uns gesagt haben: „Also das könnte man aber besser machen.“ Dann haben wir eben geschrieben – und festgestellt, dass es gar nicht so einfach ist, es besser zu machen. Also haben wir mehr geschrieben und versucht, besser zu schreiben. Und irgendwann war es jetzt und Leute bezichtigen uns, Autoren zu sein.

2.     Was machen Sie beide beruflich oder ist das Schreiben mittlerweile mehr Beruf?
Stephan: Ich bin gelernter Verlagskaufmann und arbeite auch in dem Bereich (ganz banal mit Dingen wie Versandsteuerung, Vertrieb und Kundenservice). Zum Glück macht mit die Arbeit und die Zusammenarbeit mit meinen Verlagskunden eine Menge Spaß. Ich hätte aber nichts dagegen irgendwann einmal auch vom Schreiben leben zu können.
Tom: Ich bin Grafik-Designer und arbeite freiberuflich in meinem eigenen kleinen Werbebüro im Verbund mit anderen Selbständigen – ein Beruf, den ich mir ausgesucht habe, und den ich gern ausübe. Ich betrachte das Schreiben allerdings schon seit einiger Zeit als meinen zweiten Beruf. Es ist nur eben (noch) nicht der, der meine Rechnungen bezahlt.

3.     Wie viel Zeit verbringen Sie beide täglich mit Schreiben? Haben Sie dafür festgelegte Zeiten oder geschieht das Schreiben eher spontan?
Stephan: Ich schreibe meistens in der Mittagspause im Auto. Da bin ich am wenigsten durch andere Dinge abgelenkt (sich nach Feierabend auch nochmal aufraffen zu müssen ist nämlich nicht so leicht).
Tom: Ich raffe mich dann eher nach Feierabend auf, wenn die Kinder im Bett sind. Meine übliche Schreibzeit ist abends zwischen 10 und 12, oder auch mal länger, wenn es gerade läuft und der nächste Tag erlaubt, dass ich etwas müder bin. ;)

4.     Wie würden Sie sich in drei Worten charakterisieren?
Stephan: Außerordentlich gutaussehend, hochintelligent und bescheiden.
Tom: Das waren 5, Stephan ... Okay, jetzt ich: durchschnittlich, untalentiert und verlogen.
Verdammt. Das waren vier.

5.     Wie sind Sie auf die Idee zu „Die Blausteinkriege“ gekommen?
Tom: Da gab es keinen bestimmten Punkt. Nachdem wir beschlossen hatten, dass der dritte Teil von Orks vs. Zwerge der abschließende sein sollte, haben wir neue Ideen gewälzt und unseren Fundus alter gesichtet. Über die letzten ein, zwei Jahrzehnte Rollenspiel, lesen, schreiben und online-Spiel-Programmieren hat sich schließlich so einiges angesammelt. Für uns war der Plan, als nächstes etwas epischere Fantasy zu machen, allerdings ohne die traditionellen Fantasyrassen (wenn man von den Menschen absieht). Zusammen mit einigen Gedanken zu Politik, Geschichte, Wirtschaft und  Philosophie stand am Ende des Prozesses eben des Setting der Blausteinkriege.
Und da wir im Grunde lieber über Figuren als über Landschaften schreiben, haben wir eine Handvoll interessanter Charaktere genommen, ihnen Ziele gegeben, sie auf dieses Spielfeld gesetzt, und ... tja. Das war’s im Groben. Habe ich etwas vergessen, Stephan?
Stephan: Die Blausteinmagie. Wusstet Ihr, dass es eine Art Bernstein gibt, die unter UV-Licht strahlend blau leuchtet? Wenn man da nicht auf die verrücktesten Ideen kommt, weiß ich auch nicht weiter ...

6.     Und wie sieht es mit den Charakteren in Ihren Romanen aus? Wie entstehen die?
Stephan: Einige unserer Charaktere haben bereits ein Vorleben aus diversen Rollenspielrunden und werden aus der Mottenkiste hervorgezogen und angepasst, um für die jeweilige Geschichte geeignet zu sein. Andere entstehen auch schon mal spontan aus einer Situation während des Schreibens heraus. So war einer der gemeinsten Gegenspieler unserer Helden in der Buchreihe „Orks v.s Zwerge“ ursprünglich nur eine Stichwortgeber-Figur in einer einzelnen Szene, und hatte sich von dort aus still und leise in den Vordergrund gespielt. Und dann gibt es natürlich noch diese seltsamen Begegnungen auf der Straße oder gern auch in der S-Bahn die einen zu den seltsamsten Charakteren inspirieren können.
Tom: Es ist selten, dass wir eine Figur von Anfang an durchplanen. In der Regel bekommt sie ein bis drei beschreibende Merkmale. Diese müssen nicht optisch sein; es kann auch eine Angewohnheit sein oder eine wiederkehrende Phrase. Dazu bekommt sie ein Ziel, eine Motivation und eine Aufgabe für ihre erste Szene und einen Namen. Wenn es gut für sie läuft, den, den sie am Ende dann behalten wird. Und dann wird geschrieben. Funktioniert sie, bleibt sie – wenn es die Geschichte erfordert, wird sie aber auch schon mal wieder gestrichen.

7.     Wie selbstkritisch sind Sie?
Tom: Es geht. Wir haben ja das Glück, dass wir als Autorenteam unsere Kritik am jeweils anderen austoben können. Das heißt, was andere Autoren mühsam an Selbstkritik aufbringen müssen, das kann bei uns der jeweils andere übernehmen. Wir müssen nur bereit sein, die Kritik des anderen auch anzunehmen.

8.     Ihre eigenen Bücher sind dem Genre Fantasy zuzuordnen. Doch wie sieht es in Ihrem Bücherregal aus? Welche Genres findet man dort vor?
Stephan: Querbeet alles vom Krimi über Historienromane, „ernste“ Literatur, Sachbücher bis hin zur Fantasy natürlich. Im Grunde ist mir das Genre egal, solange mich die Geschichte anspricht. Es schadet auch als Fantasy-Autor nicht, öfter mal über den Tellerrand hinaus zu schauen.
Tom: Das sieht hier genauso aus. Thriller, Science Fiction, Dokubildbände – wir sind uns gelegentlich nicht mal sicher, welches Buch gerade in welchem Haushalt ist, da wir oft genug den Lesestoff austauschen.

9.     Haben Sie ein ganz spezielles Lieblingsbuch?
Stephan: Der Splitter im Auge Gottes (Niven/Pournelle), weil mich das Buch als Kind unglaublich beeindruckt hatte, obwohl ich noch nicht einmal wusste, dass es sich dabei um Weltliteratur handelt.
Tom: Es gibt viele spezielle Lieblingsbücher – aber zu ihnen gehört sicherlich „Good Omens“ von Terry Pratchett und Neil Gaiman, ein Ausnahmeroman von zwei Ausnahmeautoren, den man gelesen haben sollte.

10.  Wer ist Ihr größtes schriftstellerisches Vorbild?
Stephan: Joe Abercrombie, weil ich seinen Erzählstil unglaublich mag. Obwohl ich normalerweise gern auch englische Bücher lese, in diesem Fall allerdings in der tollen deutschen Übersetzung von Kirsten Borchardt.
Tom: Terry Pratchett. Nicht unbedingt stilistisch – dem nachzueifern würde nur wie eine schlechte Kopie wirken. Nein, vor allem in der Art, Geschichten zu erzählen: Leicht, verständlich, mit fast unerreichtem Gefühl für Figuren, für Menschen und die Dinge, die Menschen eben so tun: nie schwarz oder weiß, immer irgendwo dazwischen. Und nein, ich mag die deutschen Übersetzungen nicht.

Ich danke Ihnen für dieses Interview.
Wir danken ebenfalls.


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